Die Küche ist einer der meistgenutzten Räume im Zuhause. Hier wird vorbereitet, geschnippelt, gekocht, eingeräumt, gespült und aufbewahrt. Viele dieser Tätigkeiten sind mit einseitigen Bewegungen, langen Standzeiten und ungünstigen Körperhaltungen verbunden. Umso wichtiger ist es, dass die Küche nicht nur schön und funktional ist, sondern auch ergonomisch geplant wird.
In diesem Ratgeber zeigen wir dir, worauf es bei der ergonomischen Küchenplanung ankommt, welche Maße du beachten solltest und wie du Rückenschmerzen, Stolperfallen und unnötige Wege vermeidest.
Inhaltsverzeichnis
- Warum Ergonomie in der Küche so wichtig ist
- Die richtige Arbeitshöhe für jede Küchenzone
- Ergonomische Arbeitsplatte planen
- Ergonomie bei Aufbewahrung und Schranktypen
- Ergonomisch platzierte Küchengeräte
- Stauraum ergonomisch einrichten
- Optimale Laufwege: Anordnung der Küchenbereiche
- FAQ – Häufig gestellte Fragen
Warum Ergonomie in der Küche so wichtig ist
Ergonomie bedeutet, die Umgebung an den Menschen anzupassen – nicht umgekehrt. In der Küche heißt das konkret: Arbeitsflächen, Geräte, Schränke und Laufwege sollten so gestaltet sein, dass sie deinen Bewegungsabläufen entsprechen, deine Körperhaltung unterstützen und dich im Alltag entlasten.
Viele gesundheitliche Beschwerden – vor allem im Rücken-, Schulter- und Nackenbereich – entstehen durch falsche Arbeitshöhen, das ständige Bücken oder ungünstig platzierte Geräte.
Doch eine ergonomische Küche bringt nicht nur gesundheitliche Vorteile. Sie steigert auch die Effizienz und den Komfort beim Kochen.
Nicht zuletzt spielt Ergonomie auch mit Blick auf das Alter eine Rolle. Wer vorausschauend plant, schafft eine Küche, die auch im höheren Alter oder bei körperlichen Einschränkungen komfortabel nutzbar bleibt.
Die Grundlagen einer ergonomischen Küchenplanung
Eine ergonomische Küche entsteht nicht zufällig – sie basiert auf klaren Planungsprinzipien, die den Menschen und seine Bewegungsabläufe in den Mittelpunkt stellen. Ziel ist es, die Küche so zu gestalten, dass sie nicht nur funktional ist, sondern auch körperlich entlastet. Das bedeutet: weniger Bücken, weniger Strecken, kürzere Wege und angenehmes Arbeiten auf Augenhöhe.
Wichtige Grundlagen der ergonomischen Küchenplanung sind:
- Individuelle Arbeitshöhe, die zu deiner Körpergröße passt
- Sinnvolle Anordnung der Arbeitszonen im sogenanntes Arbeitsdreieck (Spüle, Herd und Kühlschrank)
- Rückenschonender Geräteeinbau
- Greifzonen beachten
- Stauraum sinnvoll nutzen
- Ausreichend Bewegungsfreiheit einplanen
- Leichtgängiger Bedienkomfort
Die richtige Arbeitshöhe für jede Küchenzone
Die Höhe der Arbeitsflächen gehört zu den zentralen Aspekten einer ergonomischen Küche – und ist gleichzeitig einer der häufigsten Fehlerquellen bei der Planung. Denn: Eine einheitliche Höhe für alle Bereiche funktioniert selten optimal. Unterschiedliche Tätigkeiten erfordern unterschiedliche Körperhaltungen – und damit auch unterschiedliche Höhen.
Die wichtigsten Zonen und ihre idealen Höhen im Überblick:
- Vorbereitungsfläche:
Die Hauptarbeitsfläche sollte sich etwa 10–15 cm unterhalb deines angewinkelten Ellenbogens befinden.
- Spüle:
Da du beim Spülen in die Spüle hineingreifst, sollte sie rund 5–10 cm höher liegen als die Arbeitsfläche. Das verhindert ein ständiges Vorbeugen und schont den Rücken.
- Kochfeld:
Beim Kochen ist es hilfreich, wenn das Kochfeld etwas niedriger ist – etwa 5–10 cm unter der Vorbereitungsfläche. So kannst du besser in Töpfe und Pfannen sehen, ohne dich zu strecken.
- Backofen und Geschirrspüler:
Diese Geräte sollten idealerweise auf Brust- oder Hüfthöhe eingebaut werden. Das erleichtert dir das Ein- und Ausräumen, reduziert das Bücken und beugt Haltungsschäden vor.

Ergonomische Arbeitsplatte planen
Eine ergonomisch geplante Arbeitsplatte entlastet Rücken, Schultern und Nacken, beugt Verspannungen vor und macht die Küchenarbeit deutlich angenehmer – besonders bei regelmäßigem oder längerem Gebrauch.
Dabei gibt es nicht die eine ideale Höhe, denn sie hängt vor allem von deiner Körpergröße und der Art der Tätigkeit ab.
Wie finde ich die optimale Höhe?
Die Faustregel lautet: Die Oberkante der Arbeitsplatte sollte etwa 10–15 cm unter deinem angewinkelten Ellenbogen enden. So kannst du bequem im Stehen arbeiten, ohne dich zu beugen oder die Schultern anzuheben. Die folgende Tabelle gibt dir einen groben Richtwert zur Orientierung:
| Körpergröße | Empfohlene Arbeitshöhe |
| unter 160 cm | ca. 85 cm |
| 160–170 cm | ca. 90 cm |
| 170–180 cm | ca. 95 cm |
| 180-190 cm | ca. 105 cm |
| Über 190 cm | ca. 110 cm |
Hinweis:
Diese Werte gelten für die Vorbereitungsfläche. Für Spüle und Kochfeld darf die Höhe entsprechend leicht abweichen – etwa 5–10 cm höher bei der Spüle, etwas niedriger beim Kochfeld.
Tipp: Probiere vor dem Küchenkauf verschiedene Höhen an einer Probeküche oder einem Tisch aus – so merkst du schnell, welche Höhe für dich am angenehmsten ist. Wer mehrere Personen mit unterschiedlichen Größen berücksichtigt, kann auch mit abgestuften Arbeitsflächen oder höhenverstellbaren Systemen arbeiten.
Ergonomie bei Aufbewahrung und Schranktypen
Ergonomische Aufbewahrung bedeutet, dass alle Dinge dort platziert sind, wo sie gebraucht werden – und zwar in einer Höhe, die angenehm erreichbar ist. Besonders häufig genutzte Gegenstände wie Teller, Töpfe, Schneidebretter oder Gewürze sollten zwischen Knie- und Schulterhöhe aufbewahrt werden. Alles, was nur selten gebraucht wird, kann weiter oben oder weiter unten gelagert werden.
Diese Schranktypen und Systeme unterstützen eine ergonomische Küchenorganisation:
- Vollauszüge:
Im Vergleich zu herkömmlichen Schränken mit Türen bieten Auszüge mehr Übersicht und sind leichter zu bedienen – ideal für Töpfe, Vorräte oder Geschirr.
- Hochschränke mit Apothekerauszug:
Sie ermöglichen beidseitigen Zugriff und eignen sich besonders gut für Vorräte, Flaschen oder Gewürze.
- Karussell- und Ecklösungen:
Diese machen selbst schwer zugängliche Ecken nutzbar – zum Beispiel durch drehbare oder ausziehbare Böden im Unterschrank.
- Oberschränke mit Klappen oder Liften:
Hochliegende Fächer lassen sich damit einfacher öffnen und schließen – ohne, dass Türen im Weg stehen.
- Innenorganisation:
Besteckeinsätze, Trennstege, Vorratsbehälter oder flexible Schubladeneinteilungen helfen dabei, Ordnung zu halten und Dinge mit einem Griff zu finden.
- Grifflose Schränke mit Push-to-open oder elektrischem Öffnungssystem:
Besonders komfortabel, wenn man keine Hand frei hat – ideal auch bei körperlichen Einschränkungen.
Tipp: Überlege dir genau, was du wo benötigst: Geschirr in der Nähe der Spülmaschine, Messer und Schneidbretter bei der Arbeitsfläche, Kochutensilien in Reichweite zum Herd.
Ergonomisch platzierte Küchengeräte
Küchengeräte wie Backofen, Geschirrspüler, Mikrowelle oder Kühlschrank gehören zur Grundausstattung jeder modernen Küche. Eine ergonomische Anordnung der Geräte erleichtert die Küchenarbeit erheblich und schützt gleichzeitig deinen Rücken, deine Schultern und Gelenke.
Ein häufiger Planungsfehler ist zum Beispiel der klassische Unterschrank-Backofen: Wer regelmäßig backt, muss sich immer wieder tief bücken, um Bleche oder Aufläufe ein- und auszuräumen. Ähnliches gilt für den Geschirrspüler oder die Mikrowelle – Geräte, die oft genutzt werden, sollten sich möglichst in Griffhöhe befinden.
Diese Grundsätze helfen dir bei der ergonomischen Platzierung deiner Küchengeräte:
- Backofen:
Optimal ist ein Einbau auf Brusthöhe – so kannst du das Innere bequem einsehen und schwere Bleche sicher herausnehmen.
- Geschirrspüler:
Auch der Geschirrspüler kann höher eingebaut werden, idealerweise mit dem unteren Korb auf etwa 40–50 cm Höhe. Das spart tägliches Bücken.
- Mikrowelle und Dampfgarer:
Diese Geräte sollten auf Augenhöhe angebracht werden, damit du heiße Speisen sicher entnehmen kannst – ohne über Kopf zu hantieren.
- Kühlschrank:
Integrierte Modelle lassen sich meist individuell positionieren. Achte darauf, dass häufig genutzte Fächer (wie das Gemüsefach oder die mittleren Ablagen) gut erreichbar sind.
- Kochfeld:
Das Kochfeld darf etwas niedriger als die Arbeitsfläche liegen, um bequem in Töpfe und Pfannen schauen zu können. Es sollte in der Nähe der Vorbereitungszone und gut belüftet platziert sein.
- Dunstabzugshaube:
Sie sollte nicht nur effizient arbeiten, sondern auch so hoch hängen, dass du dir nicht den Kopf stößt – ohne die Absaugleistung zu beeinträchtigen.
Tipp: Denke bei der Geräteplatzierung nicht nur an dich selbst, sondern auch an andere Haushaltsmitglieder. Wenn mehrere Personen die Küche nutzen, lohnt es sich, Kompromisse bei der Höhe zu finden – oder durch smarte Lösungen wie höhenverstellbare Gerätefächer mehr Flexibilität zu schaffen.

Stauraum ergonomisch einrichten
Stauraum ist das Rückgrat jeder gut funktionierenden Küche – doch wie er genutzt wird, entscheidet darüber, ob du dich bei jeder Bewegung wohlfühlst oder ständig bücken, strecken und suchen musst.
Eine ergonomische Stauraumplanung bedeutet nicht nur „mehr Platz“, sondern vor allem: der richtige Platz für die richtigen Dinge. Ziel ist es, Alltagsgegenstände dort zu lagern, wo du sie brauchst – in bequemer Griffhöhe und mit minimalem Aufwand erreichbar.
Diese Tipps helfen dir, Stauraum ergonomisch sinnvoll zu gestalten:
- Zwischen Schulter- und Kniehöhe planen:
Alles, was du täglich benutzt, sollte in diesem Bereich untergebracht sein.
- Einsätze für Ordnung:
Besteckeinsätze, Vorratsbehälter, Trennstege und modulare Boxen bringen Struktur in Schubladen und Schränke – und verhindern Chaos im Alltag.
- Offene Regale gezielt einsetzen:
Für dekorative Elemente oder Dinge, die du besonders oft brauchst (z. B. Tassen, Gewürze), können offene Regale sinnvoll sein – solange sie nicht zu überladen wirken.
Optimale Laufwege: Anordnung der Küchenbereiche
Kurze, logische Laufwege sind ein wesentlicher Bestandteil einer ergonomischen Küche. Die wichtigsten Bereiche – Kühlschrank (Lagern), Spüle (Vorbereiten) und Herd (Kochen) – sollten ein gut zugängliches Dreieck bilden, das deinen Arbeitsfluss unterstützt. Dieses sogenannte Küchenarbeitsdreieck sorgt dafür, dass du dich effizient bewegen kannst, ohne ständig um Geräte, Möbel oder Mitkochende herumzulaufen.
Je nach Küchenform – ob L-, U- oder Inselküche – lässt sich das Arbeitsdreieck flexibel anpassen. Wichtig ist, dass zwischen den Zonen keine Hindernisse stehen und dass du beim Kochen alles schnell zur Hand hast.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Die Arbeitsfläche sollte etwa 10–15 cm unter dem angewinkelten Ellenbogen enden.
Backofen und Geschirrspüler sollten idealerweise auf Brust- oder Hüfthöhe platziert werden.
Zwischen zwei Zeilen oder einer Zeile und einer Insel sollten mindestens 120 cm Abstand liegen.
Vollauszüge, Apothekerschränke und Oberschränke mit Klappen erleichtern den Zugriff und schonen den Rücken.
Gerade in kleinen Küchen macht ergonomisches Denken einen großen Unterschied für Komfort und Bewegungsfreiheit.
Ja, viele Verbesserungen wie Innenauszüge, höhere Sockel oder besser platzierte Geräte lassen sich nachträglich integrieren.
Nicht unbedingt – viele ergonomische Lösungen sind bereits in der Standardplanung umsetzbar und sparen langfristig Aufwand und Gesundheitskosten.





